Gift-Notruf-Zentrale
Im Notfall zählt jede Minute
Ein Kind hat an der Spülmaschinen-Tablette geleckt, der Großvater hat seine Tabletten versehentlich doppelt genommen, beim Putzen sind Dämpfe entstanden, die in den Augen brennen: Vergiftungsunfälle passieren schnell und meist dort, wo man sich am sichersten fühlt – zu Hause. Die gute Nachricht: Die meisten Fälle verlaufen glimpflich, wenn man richtig reagiert. Die wichtigste Regel lautet deshalb: Ruhe bewahren und fachkundigen Rat einholen.
Bei Lebensgefahr: Notruf 112
Wählen Sie sofort den Notruf, wenn die betroffene Person bewusstlos ist, nur schwer atmen kann, krampft oder sich ihr Zustand rasch verschlechtert.
Giftnotruf Berlin: 030 19240
Rund um die Uhr erreichbar. Die Giftinformationszentrale berät Sie, ob und welche Maßnahmen nötig sind und ob ärztliche Hilfe erforderlich ist.
Diese Fragen werden Ihnen gestellt
Damit die Fachleute am Telefon die Lage richtig einschätzen können, brauchen sie einige Angaben. Halten Sie, wenn möglich, folgende Informationen bereit:
- Wer ist betroffen? Alter, ungefähres Körpergewicht und bekannte Vorerkrankungen.
- Was wurde eingenommen, eingeatmet oder berührt? Halten Sie die Verpackung, den Beipackzettel oder Reste der Pflanze bereit.
- Wie viel wurde aufgenommen? Schätzen Sie die Menge so gut wie möglich, etwa anhand der fehlenden Tabletten oder des Füllstands der Flasche.
- Wann ist es passiert?
- Wie wurde der Stoff aufgenommen – verschluckt, eingeatmet, über die Haut oder in die Augen?
- Welche Beschwerden bestehen bereits, und was haben Sie schon unternommen?
Das sollten Sie sofort tun
- Verschluckt: Entfernen Sie Reste aus dem Mund. Geben Sie der betroffenen Person, wenn sie bei Bewusstsein ist, einige kleine Schlucke Wasser oder Tee zu trinken.
- Auf der Haut: Ziehen Sie verunreinigte Kleidung aus und spülen Sie die Haut gründlich mit fließendem Wasser ab.
- In den Augen: Spülen Sie das betroffene Auge bei geöffnetem Lid mindestens zehn Minuten lang unter fließendem, lauwarmem Wasser aus, vom inneren zum äußeren Augenwinkel. Bei ätzenden Stoffen suchen Sie danach augenärztliche Hilfe auf.
- Eingeatmet: Bringen Sie die betroffene Person an die frische Luft und lüften Sie den Raum – ohne sich selbst in Gefahr zu bringen.
- Bewusstlos, aber atmend: Bringen Sie die Person in die stabile Seitenlage, wählen Sie 112 und bleiben Sie bei ihr.
Das sollten Sie nicht tun
- Kein Erbrechen auslösen. Was beim Verschlucken schadet, kann beim Erbrechen erneut schaden – ätzende Stoffe verletzen die Speiseröhre ein zweites Mal, schäumende oder ölige Flüssigkeiten können in die Lunge gelangen.
- Keine Milch geben. Milch ist kein Gegenmittel; sie kann die Aufnahme mancher Giftstoffe sogar fördern.
- Kein Salzwasser. Salzwasser zum Auslösen von Erbrechen ist gefährlich und kann selbst zu einer schweren Vergiftung führen.
- Keine Hausmittel auf eigene Faust. Auch Aktivkohle sollte nur nach Rücksprache mit dem Giftnotruf oder ärztlicher Anweisung gegeben werden.
- Nicht abwarten, wenn Beschwerden auftreten. Manche Vergiftungen zeigen ihre Folgen erst nach Stunden. Lassen Sie sich im Zweifel beraten, auch wenn es der betroffenen Person zunächst gut geht.
Besonders gefährlich: Knopfbatterien
Wurde eine Knopfbatterie verschluckt, ist das immer ein Notfall – auch wenn das Kind zunächst keine Beschwerden hat. Bleibt die Batterie in der Speiseröhre stecken, kann sie innerhalb kurzer Zeit schwere Verätzungen verursachen. Fahren Sie in diesem Fall ohne Umweg in die nächste Kinderklinik oder Notaufnahme oder wählen Sie 112, und geben Sie dem Kind nichts zu essen.
Auch Erwachsene sind betroffen
Vergiftungen sind kein reines Kinderthema. Bei älteren Menschen sind es häufig Arzneimittel: Eine Tablette wird aus Versehen doppelt eingenommen, zwei Präparate mit demselben Wirkstoff werden kombiniert, oder die Dosis passt nach einer Erkrankung nicht mehr. Im Spätsommer und Herbst kommen Pilzvergiftungen hinzu – essen Sie selbst gesammelte Pilze nur, wenn Sie sich ganz sicher sind, und lassen Sie Ihre Funde im Zweifel von einer Pilzberatungsstelle prüfen. Treten nach einer Pilzmahlzeit Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall auf, rufen Sie den Giftnotruf an, auch wenn die Beschwerden erst viele Stunden später beginnen. Gefährlich ist außerdem Kohlenmonoxid: Grillen, Heizpilze oder Gasgeräte gehören niemals in geschlossene Räume, denn das Gas ist geruchlos und kann innerhalb kurzer Zeit zu Bewusstlosigkeit führen.
Vorbeugen ist der beste Schutz
Die meisten Vergiftungsunfälle betreffen Kleinkinder, die ihre Umgebung mit dem Mund erkunden. Mit ein paar Regeln lässt sich das Risiko deutlich senken:
- Bewahren Sie Arzneimittel, Putz- und Waschmittel, Spülmaschinen-Tabs, Lampenöle, Nikotin-Liquids und Zigaretten außer Reich- und Sichtweite von Kindern auf, am besten in einem abschließbaren Schrank.
- Füllen Sie Chemikalien niemals in Getränkeflaschen oder Lebensmittelbehälter um.
- Lassen Sie Medikamente nicht offen auf dem Nachttisch oder in Handtaschen liegen, an die Kinder herankommen – auch beim Besuch bei den Großeltern.
- Informieren Sie sich, welche Zimmer- und Gartenpflanzen giftig sind, und stellen Sie sie gegebenenfalls außer Reichweite.
- Nehmen Sie Ihre eigenen Medikamente nicht vor den Augen kleiner Kinder ein – Kinder ahmen nach.
Wir helfen Ihnen weiter
Haben Sie Fragen zu einem Arzneimittel oder zur sicheren Aufbewahrung Ihrer Hausapotheke? Sprechen Sie uns an – in der Apotheke am Sterndamm 31 oder telefonisch unter 030 46998899. In einem akuten Notfall rufen Sie bitte nicht zuerst die Apotheke an, sondern direkt den Giftnotruf unter 030 19240 oder den Notruf 112. Weitere Informationen zu unseren Angeboten finden Sie unter Unser Service für Sie.
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